Die Energiezukunft der Schweiz wird sowohl auf kantonaler und nationaler Gesetzebene mitbestimmt. Das neue CO2-Gesetz setzt Massnahmen in Bereichen an, wo heute noch grosse Mengen an klimaschädlichen Gasen ausgestossen werden. Deshalb ist es für eine nachhaltige Energiezukunft der Schweiz entscheidend, dass das Volk diesen nächsten Schritt mitträgt.

Fossile Brennstoffe haben uns Jahrzehnte lang Wohlstand und Komfort gebracht. Zugleich führt der übermässige Verbrauch der Menschheit und der damit einhergehende Ausstoss von Treibhausgasen zur Erhitzung der Erdatmosphäre und damit zu einer Klimastörung in erheblichem Ausmass. Wenn wir den Anstieg des Meeresspiegels, das Schmelzen der Gletscher, Hitzewellen, die Bedrohung ganzer Ökosysteme und die Vernichtung der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen abwenden wollen, müssen wir uns jetzt für eine Zukunft mit 100 Prozent erneuerbaren Energien entscheiden.

Es braucht weitergehende Massnahmen

Die Weltgemeinschaft hat sich 2015 dazu verpflichtet, die weltweite Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad und besser 1,5 Grad zu begrenzen. Das bedeutet, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto-null zu bringen. Auch der Bundesrat will bis 2050 die CO2-Emissionen der Schweiz auf netto-null senken. Dafür müssen wir also weitestgehend aus Kohl, Gas und Erdöl aussteigen.

Politische Massnahmen wie die Energiestrategie 2050 haben bereits dazu geführt, dass Solar- und Windkraft, Wärmepumpen und zunehmend die Elektromobilität ihre fossilen Vorgängertechnologien zunehmend ablösen. Trotzdem steigt die CO2-Konzentration unbeirrt und gar beschleunigt an. Denn ohne weitergehende Massnahmen werden die fossile Infrastruktur und Verkehrsmittel einfach weiter betrieben. Zudem gibt es einige Bereiche wie die Luftfahrt, die Schwerindustrie oder auch die Landwirtschaft, wo technische klimaverträgliche Lösungen noch in den Kinderschuhen stecken.

Ein zukunftsweisendes Gesetz

Mit dem CO2-Gesetz können wir nun einen weiteren Schritt in die Energiezukunft machen. Seit Ende September ist das Gesetz unter Dach und Fach, und viele Massnahmen sind zu begrüssen. So werden im Gesetz Grundlagen für Sektoren festgelegt, die bisher nicht Teil des Gesetzes waren und somit keine Klimaschutz-Verpflichtungen hatten, wie die Luftfahrt und der Finanzplatz. Zudem sollen ab 2023 respektive 2026 zunehmend keine Öl- und Gasheizung mehr neu eingebaut werden. Für viele Haushalte gehört der Abschied von einer Öl- oder Gasheizung zu den grösstmöglichen Verbesserungen ihrer eigenen Klimabilanz.

Das Gesetz nimmt auch das Verursacherprinzip ernst und gewährleistet den sozialen Ausgleich. Denn: Ein Grossteil der Einnahmen aus den Abgaben wird an die gesamte Bevölkerung rückverteilt. Nehmen wir als Beispiel die Flugticketabgabe, deren Einnahmen zur Hälfte an die gesamte Bevölkerung zurückverteilt werden. Da in der Schweiz ganz wenige sehr viel fliegen und viele sehr wenig fliegen, führt es dazu, dass 90 Prozente der Haushalte mehr rückverteilt erhalten werden, als sie bezahlen. Auch die Einrichtung eines Klimafonds ist zu begrüssen. Dieser soll dabei helfen, dass neuen Innovationen der Durchbruch gelingt und sich klimaverträgliches Handeln lohnt. Finanziert wird er durch einen Teil der Einnahmen aus der Lenkungsabgaben.

Mit dem CO2-Gesetz ist der Umbau der Energieversorgung nicht nur lohnenswert für die Nutzerinnen und Nutzer. Gerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit schafft es Arbeitsplätze. Im Jahr 2021 hat nun das Volk die Möglichkeit, die Energiezukunft in die richtige Richtung voranzutreiben: Mit einem ja zum CO2-Gesetz.

Patrick Hofstetter ist Maschineningenieur, promovierter Umweltnaturwissenschafter und seit 2002 als Klimaschutz- und Energiefachmann für den WWF Schweiz tätig. Er ist Vertreter der Umweltorganisationen in der Schweizerischen Verhandlungsdelegation des Bundes an den Uno-Klimaverhandlungen. www.wwf.ch

Illustrationsbild: © jozsitoeroe/stock.adobe.com