Die eigenständige Schweizer Energieversorgung 2050 ohne Kernkraft und mit Netto Null Treibhausgasen ist realistisch – auch im Winter. Bis 2040 wird Netto Null, bis 2050 die Eigenversorgung erreicht. Die Energiestrategie 2050 war der erste, das neue CO2-Gesetz ist der zweite Schritt in diese Richtung.

Die komplett erneuerbare, CO2-neutrale und eigenversorgte Schweiz bis 2050 basiert auf folgenden fünf Pfeilern:

  • Steigerung der Stromeffizienz um 40 Prozent
  • Elektrifizierung der Sektoren Verkehr und Gebäude
  • Massiver Zubau von Photovoltaik
  • Saisonspeicher mittels Power2X
  • Stromverbrauch und Stromproduktion im Einklang

Die fünf Pfeiler müssen parallel aufgebaut und in einem permanenten, wirtschaftlichen Gleichgewicht gehalten werden. Schlüsselelement zur erfolgreichen Umsetzung der Klimaziele ist die Digitalisierung. Digitale Anwendungen ermöglichen eine stark verbesserte Energie- und Stromeffizienz sowie den intelligenten Einklang von Stromproduktion und -verbrauch über ein Smart-Grid.

Steigerung der Stromeffizienz um 40 Prozent

Obwohl Strom die hochwertigste Energieform ist, verpufft in der Schweiz rund die Hälfte des produzierten Stroms ungenutzt. Jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss nicht produziert, transportiert oder zwischengespeichert werden – sie ist deshalb die wertvollste. Eine effizientere Stromnutzung um mindestens 40 Prozent ist erwiesenermassen möglich, insbesondere durch den Einsatz von intelligenten Gebäudesteuerungen.

Elektrifizierung der Sektoren Verkehr und Gebäude

Fossile Brenn- und Treibstoffe werden hauptsächlich in Heizungen und Fahrzeugmotoren verbrannt. Für den Umstieg auf erneuerbare Energien ist Strom die beste Lösung. 60 Prozent der Wohngebäude heizen heute fossil, in Zukunft mehrheitlich mit Wärmepumpen. 70 Prozent der Schweizer Verkehrsleistung wird auf der Strasse abgewickelt. Diese Fahrzeuge fahren zukünftig mit Strom – unbestritten die umweltschonendste Form des Strassenverkehrs. Die Ladungen der Elektrofahrzeuge erfolgen vor allem Zuhause und am Arbeitsplatz. Die Elektrifizierung führt zu einem höheren Stromverbrauch an und in Gebäuden, weshalb sich die Stromproduktion vor Ort lohnt.

Massiver Zubau von Photovoltaik

Mindestens zwei von drei geeigneten Dächern und Fassaden sind mit Photovoltaik belegt. Spätestens im Jahr 2050 werden mit Photovoltaikanlagen mindestens 40 Terawattstunden Strom produziert, rund doppelt so viel wie heute mit AKWs. Anlagen an Fassaden und in den Bergregionen produzieren wichtigen Winterstrom.

Saisonspeicher mittels Power2X

Die Saisonspeicherung erfolgt neben der Pumpspeicherung mittels Power2X-Technologie. Erneuerbare Stromüberschüsse aus dem Sommer werden damit für den Winter mit Rückverstromung nutzbar gemacht. So produzieren wir im Jahr 2050 in jedem Monat genug einheimische Energie, um den gesamten schweizerischen Jahresenergiebedarf abzudecken. Die Tages- und Wochenspeicherung wird mit Batterien, Pumpspeicherung und Wasserstoff sichergestellt. Synthetische Treib- und Brennstoffe sowie Wasserstoff bieten weitere vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel für Kraftanwendungen und Flugverkehr.

Stromverbrauch und Stromproduktion im Einklang

Über ein Smart Grid funktioniert das Zusammenspiel der erneuerbaren Stromproduktion mit sämtlichen Verbrauchern intelligent und effizient. Produktion und Verbrauch werden jederzeit sowohl zeitlich wie auch örtlich optimal aufeinander abgestimmt. Es wird in Intelligenz und dezentrale Speicherung statt in zusätzliche Kupferleitungen investiert.

Die Energie-Zukunft Schweiz wird erneuerbar, CO2-neutral und eigenversorgt, sämtliche erneuerbaren Energien tragen dazu bei. Das CO2-Gesetz ist ein wichtiger Schritt dazu.

Jürg Grossen ist Nationalrat und Präsident der glp Schweiz; Co-Geschäftsinhaber von drei Firmen mit rund 50 Mitarbeitenden im Gebäudetechnikbereich; Präsident Swiss eMobility, KGTV, SmartGridready und Vorstand Swisscleantech.

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