Die Idee ist nicht neu. Die Universität Konstanz nutzt seit 1972 Wasser aus dem Bodensee, um ihr Rechenzentrum zu kühlen. Auch die Wärmenutzung aus dem Seewasser wurde angegangen, 1984 von der Stadt Rorschach. Das Projekt scheiterte an den Kosten. Zudem bestanden Bedenken wegen der damals noch nicht erforschten Auswirkungen auf den See.

Inzwischen hat die Klimadebatte das Interesse an der thermischen Nutzung von Gewässern neu entfacht. Immerhin könnte der Bodensee – nur so als Beispiel für eines der vielen Gewässer in der Schweiz – rein rechnerisch 40 Prozent des Wärme- und 120 des Kühlbedarfs unseres Landes abdecken.

Thermische Energie aus Gewässern wird inzwischen genutzt. Aber viel zu wenig, da sind sich die Experten einig. Das ist umso erstaunlicher, wenn man um die Tatsache weiss, dass die dafür notwendige Technik vorhanden ist und nur darauf wartet, vermehrt zum Einsatz zu kommen. Die ökologischen Bedenken werden relativiert: So könnte beispielsweise aus dem Bodensee im Winter in der Grössenordnung der Energieproduktion eines Kernkraftwerks Wärme für rund eine Million Menschen entnommen werden, und die Wassertemperatur würde sich weit weniger verändern als mit dem Szenario des Klimawandels zu erwarten sei, betont Alfred Wüest, Professor für Wasserphysik am Eidgenössischen Wasserforschungsinstitut Eawag.

Die Nutzung thermischer Energie aus Gewässern ist einer der zahlreichen Ansätze, die es weiter zu verfolgen gilt. In der vorliegenden Ausgabe von EnergieZukunft Schweiz zeigen namhafte Autoren weitere spannende Ideen und Lösungsvorschläge auf. Die eine oder andere Aussage mag kontrovers diskutiert werden. Aber das ist gut so. Es gilt, die Diskussion um die Energiezukunft der Schweiz intensiv und konstruktiv weiterzuführen und für eine nachhaltige Energiezukunft unseres Landes mutige Entscheide zu treffen.

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre.

Peter Büchel, Chefredaktor
Harald Fessler, Herausgeber
Martin Hofer, Initiant